The Queer Art of Failure
Stuttgart
Malin Bång: palinode
für verstärktes Ensemble
Natacha Diels: Princess Nightmare Moon
für Violine, Klarinette, Piccoloflöte, Klavier, Perkussion & Elektronik (2016)
Laure M. Hiendl: For Piano Trio
für Viola, Violoncello und Klavier (2026) UA*
Eloain Lovis Hübner: doll* etudes
für Flöte, Klarinette, Schlagzeug, Klavier, Viola, Violoncello und Audiozuspielung (2026) UA*
Ensemble Aventure
Scheitern kann eine Haltung sein. Scheitern kann eine Strategie sein. Und vielleicht kann Scheitern eine Kunstform sein.
J. Jack Halberstams Idee des Scheiterns als queere, produktive und transformative Strategie inspirierte dieses Projekt, in dem Unvollkommenheit, Instabilität und Nicht-Linearität nicht als Mängel behandelt werden, sondern als bewusste künstlerische Methoden, die normativen Erwartungen an Meisterschaft, Fortschritt und Kohärenz widerstehen.
In Zusammenarbeit mit Studierenden der Akademie für Darstellende Kunst Baden-Württemberg beleuchtet die Aufführung zeitgenössische Praktiken, in denen Komponist:innen und Interpret:innen medienübergreifend arbeiten–Elektronik, Video, Performance–und das Unfertige, das Provisorische und das Fragile umarmen: ein klanglich-performatives Feld, in dem Queerness zur Methode wird–durch Störung, Neukonfiguration und beharrliche Versuche, die scheitern, sich verschieben und neu entstehen.
Für Eloain Lovis Hübner ist die zweckentfremdete Verwendung von Instrumenten gelebte Erfahrung. Ihre Arbeit fragt, was es bedeutet, Musikinstrumente und ihre Grammatik zu »queeren«. Während ihrer eigenen Geschlechtsangleichung hörten diese Fragen auf, theoretisch zu sein: Beim Umtrainieren ihrer Stimme fand sie sich in einer Praxis wieder, die trans Menschen kennen–das systematische Verweigern dessen, was »normaler« Klangeinsatz bedeuten soll, das Navigieren von Anspannung und Kontrollverlust. Scheitern. Weitermachen. Ihre neue Komposition für das Ensemble Aventure überträgt diese Erfahrung auf Instrumente, begleitet von aufgenommenen Klängen der Zärtlichkeit, Ermächtigung und stillen Auflehnung. Laure M. Hiendls neue Komposition begreift Scheitern nicht als Niederlage, sondern als produktiven Prozess. Digitale Sampling-Techniken werden in akustische Kammermusik übersetzt: Ein Fragment wird isoliert, wiederholt und verschoben, bis Kommunikation zusammenbricht–und dieser Zusammenbruch öffnet etwas Neues. Bedeutungen bleiben in Bewegung, und das Verweilen in einer einzigen Geste erzeugt eine andere Zeitlogik: eine, die alternative Weisen des Erlebens und Gestaltens von Zeit eröffnet. Malin Bångs »Palinode« und Natacha Diels »Princess Nightmare Moon« vervollständigen das Programm–zwei Werke, die auf je eigene Weise denselben rastlosen Raum bewohnen: zwischen Versuch und Auflösung, zwischen Form und ihrer Verweigerung.
* Kompositionsauftrag des Ensemble Aventure, ermöglicht von der Ernst von Siemens Musikstiftung
»The Queer Art of Failure« ist ein Projekt von Ensemble Aventure
in Kooperation mit der Akademie für Darstellende Kunst Baden-Württemberg und Musik der Jahrhunderte (Stuttgart)
© Elza Loginova
© Annika Falkuggla
© privat
© Heinrich Horwitz
© Brigitte Fink