Spiel-Räume
Zeitgenössische Musik als Resonanzraum gesellschaftlicher Begegnung
Unter dem Titel SPIEL-RÄUME bündelt Musik der Jahrhunderte sämtliche Aktivitäten und Projekte aus den Bereichen Musikvermittlung, Kulturelle Bildung, Teilhabe, Outreach und Audience Development.
SPIEL-RÄUME sind Orte des Kunsterlebens, des Erzählens, Zuhörens und Diskutierens, der Kreativität, des Experimentierens und Erfahrens. Ob im Konzertsaal oder im Jugendhaus, mit Berufsschüler*innen, in Kooperation mit Umweltinitiativen, der Stuttgarter Clubszene oder bei der Entwicklung von Formaten für junge Menschen mit ganz unterschiedlichen Voraussetzungen–SPIEL-RÄUME laden dazu ein, eigene Perspektiven und Erfahrungen in künstlerischen Prozessen zu entdecken und einzubringen. Zeitgenössisches musikalisches Schaffen dient dabei als Medium und Impulsgeber zugleich, ist die Neue Musik doch ihrem Wesen nach auf Veränderung angelegt, stellt Gewissheiten infrage, sucht das Unbekannte.
Musik wird oft mit Identität, Emotionen und dem unmittelbaren Zugang zur Seele in Verbindung gebracht. Neue Musik erscheint dabei gelegentlich rätselhaft, birgt aber zugleich ein unschätzbares Potenzial: die voraussetzungslose Öffnung kreativer Bedürfnisse in jedem Menschen, mit Klängen, Strukturen und gestalterischen Formen einen individuellen Ausdruck zu finden, Kontakt mit der Umgebung aufzunehmen, sie neu wahrzunehmen und sich selbst als gestaltender Teil einer Gemeinschaft zu erleben.
SPIEL-RÄUME ändern die Denkrichtung: Sie sind nicht nur als Einladung zur Vermittlung oder Partizipation an »hoher Kunst« gedacht, sondern als offene Prozesse der Begegnung, in denen Menschen aus unterschiedlichsten Lebenswelten einander kennenlernen, zuhören, Perspektiven teilen und mit künstlerischen Mitteln gemeinsame Spiel-Räume entwickeln, die Gestaltungskraft und kreative Selbstermächtigung ermöglichen.
Für SPIEL-RÄUME kooperiert Musik der Jahrhunderte mit Akteur:innen aus den unterschiedlichsten gesellschaftlichen Bereichen. Um Berührungspunkte zu initiieren und bedarfsorientierte, zielgruppenspezifische Angebote zu entwickeln, bindet MDJ gezielt Expert:innen aus verschiedenen Bereichen ein. Diese bringen ihre Perspektiven ein, wirken als Impulsgeber:innen und tragen die gewonnenen Erfahrungen und erprobten Methoden wiederum in ihre eigenen Strukturen, Arbeitsfelder und Lebenswirklichkeiten ein.
Die Zusammenarbeit mit Multiplikator:innen spielt dabei eine wichtige Rolle: Sie übersetzen zwischen Publikum und künstlerischer Praxis, schaffen Verbindungen und tragen dazu bei, Begegnungen und Austausch zu ermöglichen.
SPIEL-RÄUME sind Versuchslabore – für das Publikum ebenso wie für die Kunstschaffenden selbst. Sie bieten die Gelegenheit, vertrautes Terrain zu verlassen, das eigene Tun im Austausch mit anderen zu hinterfragen und neu auszurichten. So entstehen Gestaltungs- und Handlungsspielräume, in denen zeitgenössische Musik gemeinsam erlebt, erforscht und weiterentwickelt werden kann. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse und Eindrücke fließen unmittelbar in die Weiterentwicklung künstlerischer Prozesse, beispielsweise inklusiver Vermittlungs- und Konzertformate, ein.
SPIEL | RAUM | KLANG
Begegnungen in der Neuen Musik
Seminar & Praxis an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg
Gerade im pädagogischen Kontext besteht ein großes Interesse daran, Kindern und Jugendlichen mit unterschiedlichen Voraussetzungen Zugänge zu Musik zu ermöglichen. Im Seminar beschäftigen sich Studierende verschiedener Fachrichtungen mit der Frage, wie zeitgenössische Musik für unterschiedliche Zielgruppen erfahrbar werden kann und welche Möglichkeiten sie als künstlerisches Medium für die Erfahrung von Selbstwirksamkeit und eigene Ausdrucksmöglichkeiten eröffnet. Im Austausch mit Künstler*innen entwickeln sie daraus zielgruppenspezifische und bedarfsorientierte Formate, die sowohl im schulischen als auch im außerschulischen Bereich Anwendung finden können.
Im Sommersemester 2026 bildete die von Valentin Schaff entwickelte Komposition »Klangraumschiff« den künstlerischen Ausgangspunkt des Seminars. Die interaktive Raum-Klang-Installation wurde ursprünglich für die Stimmen der Neuen Vocalsolisten Stuttgart konzipiert und lädt die Teilnehmenden dazu ein, eine Reise zu verschiedenen »klingenden Planeten« zu unternehmen. Auf einer raumgroßen quadratischen Fläche bewegen sie sich frei durch das Klangraumschiff. Je nachdem, welche Positionen sie einnehmen oder welche zusätzlichen Elemente sie durch das Spiel mit Percussion-Instrumenten freischalten, reagieren die Sänger:innen am Rand der Aktionsfläche und verändern die entstehende Klangwelt. Durch ihre Bewegungen und Entscheidungen nehmen die Teilnehmenden so unmittelbar Einfluss auf das musikalische Geschehen. Musik- und Geräuschzuspielungen, Lichtakzente sowie Projektionen ergänzen das immersive Raum-Klang-Erlebnis.
Studierenden der Studiengänge Kultur- und Medienbildung, Sonderpädagogik und Musik entwickelten in multiprofessionellen Teams eigene Interpretationen und Konzepte für das Klangraumschiff: Dabei konnten sowohl neue Umsetzungsideen für die Installation entstehen als auch einzelne Elemente der Komposition, musikalische Parameter oder die Besetzung verändert werden.
Begleitet wurden sie dabei vom Komponisten selbst, den Sänger:innen der Neuen Vocalsolisten sowie Referent:innen u. a. aus den Bereichen Musikvermittlung und Technik. Die entwickelten Formate wurden schließlich mit Schüler:innen der August-Hermann-Werner-Schule in Markgröningen und zweier Außenklassen an der Friedrich-Keller-Grundschule in Neckarweihingen erprobt, aufgeführt und reflektiert.
Zwei Aufführungstage ermöglichten es den Beteiligten, die Umsetzung ihrer Konzepte zwischen den Durchläufen anhand der gesammelten Eindrücken und Beobachtungen zu überarbeiten.
Entstanden sind acht sehr unterschiedliche Inszenierungen
»SPIEL I RAUM I KLANG–Begegnungen in der Neuen Musik« ist eine Kooperation von Musik der Jahrhunderte, dem Fachbereich Sonderpädagogik, der Abteilung Musik und der Abteilung Kultur- und Medienbildung der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg und wird gefördert durch die Lechler Stiftung.
ad libitum
Kompositionswettbewerb der Winfried Böhler Kultur Stiftung
Seit 2008 trägt die Winfried Böhler Kultur Stiftung dazu bei, ein attraktives, künstlerisch hochwertiges Repertoire zeitgenössischer Musik, spielbar von Kindern, Jugendlichen und erwachsenen Amateurmusiker*innen aufzubauen.
Dafür schreibt die Stiftung im Zweijahresturnus den Kompositionswettbwerb ad libitum aus. Die Durchführung des Wettbewerbs wurde 2026/27 von Musik der Jahrhunderte übernommen.
ad libitum 2026/27
Die Fachjury 2026/27 mit den Komponist:innen Ulrich Kreppein und Meike Senker, einem Mitglied von trio marcel (Alex Waite/Malin Grass/Benjamin Kautter) und einem Vertreter/einer Vertreterin der kooperierenden Musikschule Heilbronn legte besonderes Augenmerk darauf, dass die ausgewählten Werke Möglichkeiten zur eigenständigen improvisatorischen Ausgestaltung durch die jungen Musiker*innen bieten.
Die Kooperation mit der Musikschule Heilbronn und das Preisträgerkonzert 2027 sind in das Programm rund um Heilbronn als European Green Capital 2027 eingebunden. Die Stadt Heilbronn und die Musikschule Heilbronn präsentieren sich damit als wichtige Impulsgeber für Nachhaltigkeit in der Musikalischen und Kulturellen Bildung.
Ad libitum soll in dieser Ausgabe junge Menschen auch darin bestärken, in der Auseinandersetzung mit zeitgenössischer Musik auch Zukunftsfragen, Umweltbewusstsein und gesellschaftliche Verantwortung mitzudenken.
Preisträger*innen 2026/27
© Brigitte Fink
© privat
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© Daniel Nicolas
© privat
© privat
© privat
© privat
Trailer–ad libitum 2024/25
Mit Schüler*innen der Musikschule Waldkirch
Die Idee von ad libitum
Ad libitum lädt ausdrücklich dazu ein, mit Konzepten zu experimentieren, die der Erweiterung des Spektrums von Spieltechniken dienen und zugleich soziale Wirkkraft entfalten. Denn es ist die Kernidee von ad libitum, für Lai*innen spielbare zeitgenössische Kunstmusik zu schaffen, die sich positioniert, Horizonte erweitert und zum Diskurs über gemeinsame musikalische Erfahrungen anregt.
Die Probenphasen mit den ausgewählten Werken für das abschließende Konzert finden stets in enger Zusammenarbeit der jeweiligen Musikschulensembles statt, begleitet von professionellen Musiker*innen.
2013 ff.