One line

Laure M. Hiendl: For Piano Trio

(2026)

»die Üppigkeit, die Üppigkeit des Körpers, der nicht erbittet und nicht braucht«

(aus: Clarice Lispector: Die Passion nach G.H.)

 

For Piano Trio überträgt digitale Sampling-Techniken in die akustische Kammermusik. Ein Fragment, eine Geste wird isoliert, wiederholt, zerlegt und verschobenso lange, bis die Kommunikation zu scheitern beginnt. Was zurückbleibt, ist kein Misserfolg, sondern ein Zwischenraum: eine Zone der Mehrdeutigkeit, in der die Bedeutung in Bewegung bleibt und die Zeit ihre lineare Richtung verliert.

 

Der Untertitel stammt aus Clarice Lispectors »Die Passion nach G.H.« Sie spricht hier von einer Körperlichkeit, die über das Individuelle hinausreicht: »ein Überfluss, der älter ist als wir, der nicht erbittet und nicht brauchtund auf den wir uns dennoch verlassen können. Das Fremde in uns, dem wir uns hingeben dürfen.« Bei Lispector ist das Lebendige aus dem zartesten Material gemacht, und die körperliche Energie erscheint als die zarteste überhaupt.

 

So sucht das Stück nicht die Präzision der Maschine, sondern eine Schwebe, in der sich ein Klang entfaltet, ohne etwas zu fordern. Das Verweilen am Fragment wird zur Geste eines Vertrauensin die Üppigkeit des Körpers, in das Scheitern als Form.