Malin Bång: palinode
für verstärktes Ensemble
(2013)Während andere Städte darum kämpfen, ihre historischen Architekturstile ungestört zu bewahren, ist die Veränderung der Stadtlandschaft für Berlin der Weg, zu atmen und lebendig zu bleiben. Als Ausdruck dieses Prozesses habe ich Objekte an drei Orten ausgewählt, die in jüngster Zeit unterschiedliche Wandlungen durchlaufen haben.
Die Schaukel: Zwischen den neuen, ordentlichen Reihen von Wohnhäusern im verschlafenen Vorort Rummelsburg, direkt hinter dem Denkmal der 1990 geschlossenen Strafanstalt Berlin 1, hört man das fröhlichste Lachen und aufgeregtes Geschrei aus dem Herzen des Viertels–vom Spielplatz des Kindergartens mit seinen beliebten Schaukeln.
Die Vase: Im Mauerpark blühen der Handel und die Straßenmusik während des Wochenendflohmarkts in voller Pracht auf, als lebendigste Rache der Vergangenheit. Die schöne, orangefarbene Vase steht stolz in der schmutzigen Erde zwischen Hunderten von Möbelstücken und wartet nur darauf, für einen höheren musikalischen Zweck in Betracht gezogen zu werden…
Die Metallskulptur: Die Kunstinstitution Tacheles ist geschlossen. Im April 2013 herrschte in der Metallwerkstatt im Garten noch reges Treiben und produktive Betriebsamkeit. Gerade am Tag vor der endgültigen Räumung des Skulpturenparks erhalte ich die Skulptur mit den faszinierenden Klangfarben vom Künstler Zeki Turan.
»Palinode« ist das Lied einer Stadt, die sich ständig neu erfindet–geprägt von der gegenwärtigen Bewusstseinserneuerung und dem Nachlassen von Druck, aber auch von einem hastigen Vorpreschen in die Zukunft, das neue Arten von Reibungen und Konflikten mit sich bringt.
Malin Bång
Die Uraufführung fand am 10. November 2013 beim Klangwerkstatt-Festival in Berlin statt mit Ensemble Mosaik unter der Leitung von Rei Munakata.