Alan Hilario: Kara_wOke-pieces
für vier Musiker, 8-Kanal-Zuspielband und 2 Videos
(2025)Kara_wOke-pieces thematisiert die Rolle der Musik in der Gesellschaft anhand einer 12-stufigen, vermeintlich linearen Skala, die politische Musik gliedert und klassifiziert. Diese Idee ist absurd, die Prämisse eindeutig falsch, jedoch wird dadurch demonstriert, dass das Verhältnis von Musik und Politik multidimensional, facettenreich und voller immanenter Widersprüche ist und sich unmöglich auf diese Weise reduzieren lässt.
Im Folgenden werden die zwölf jederzeit erweiterbaren Stufen aufgelistet:
1. Musik, bei der die Ästhetik im Vordergrund steht und nicht die politische Haltung
2. L’art pour l’art eines Unprivilegierten
3. Pro-»pagandá« (Tagalog: »verschönern«)
4. Betont apolitisch, à la cis-weißer Mann
5. Subtile, aber nicht »harmlose« politische Musik
6. Satirische politische Musik, die die Welt verändern will
7. Politische Musik, die Emotionen wie Schuldgefühle weckt
8. Geniale, klebrige Protestmusik wie bei der Letzten Generation
9. Anti-antiwoke Musik
10. Musik gegen heuchlerische Fassaden
11. Dekoloniale politische Musik für den Unterricht
12. Politische Musik gegen Genozide
Alle zwölf Kara_wOke-Songs basieren auf 4’33»–allerdings konterkarierend und entgegengestellt. Denn „die Pause, die Stille« bei Cage–oder vielmehr das gegenwärtige katastrophale »Schweigen« einer Gesellschaft gegenüber genozidalen Verbrechen–wird mit Musik und Klängen aufgefüllt und übertönt, sodass das Schweigen zumindest in diesem Stück torpediert wird.
Die vier Musiker improvisieren zum 8-kanaligen Zuspielband der Installation.
(Alan Hilario)