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Die Geschichte von Musik der Jahrhunderte ist zunächst eng mit der Biographie von Manfred Schreier verbunden. Als Kirchenmusiker an der Stuttgarter Markuskirche und späterer Bezirkskantor an der Stiftskirche stand Manfred Schreier bereits in den 70er Jahren für die Interpretation zeitgenössischer Musik und das Ergründen ihrer Wurzeln seit der Gregorianik ein. Mit dem von ihm gegründeten Chor, dem Markusvocalensemble Stuttgart, führte er über das bekannte Kirchenmusikrepertoire hinaus alle großen Oratorien des 20. Jahrhunderts auf.

1978 gründete Manfred Schreier Musik der Jahrhunderte zunächst als Trägerverein des Chores. Mitte der 80er Jahre begann Manfred Schreier für das Junge Philharmonische Orchester, das ursprünglich als Begleitorchester zum Markusvocalensemble gegründet worden war, selbständige Orchesterkonzerte zu konzipieren. Zugleich erweiterte er den Wirkungkreis von Musik der Jahrhunderte mit der Gründung der Neuen Vocalsolisten, die in kurzer Zeit als Spezialisten für die solistische Vokalmusik des 20. Jahrhunderts bekannt wurden.

In dieser Zeit wurden die Aktivitäten von Musik der Jahrhunderte professionalisiert. 1985 hat Christine Fischer die Geschäftsführung übernommen.

Seit Beginn der 80er Jahre prägte der Autor, Cellist und Komponist Hans-Peter Jahn die zeitgenössische Musik in Stuttgart mit den Veranstaltungen des Festivals TAGE FÜR NEUE MUSIK und der Konzertreihe Studio im Planetarium. In der Zeit entstand bereits eine intensive Zusammenarbeit mit Christine Fischer und mit Manfred Schreier, der mit seinen Klangkörpern regelmäßig im Festival vertreten war. 1989 übernahm Hans-Peter Jahn die Redaktion für Neue Musik beim SDR (heute SWR), im gleichen Jahr gliederte er seine freie Veranstaltertätigkeit der Musik der Jahrhunderte an.

Es entstand eine Institution, die in ihrer Verbindung von Veranstalter- und Interpretentätigkeit schnell eine wichtige Rolle im Stuttgarter Konzertleben und im Netzwerk europäischer Veranstalter für zeitgenössische Musik übernahm. Sie wurde von Christine Fischer, Hans-Peter Jahn und Manfred Schreier geleitet. Die Konzertreihe KOORDINATEN, die der Reihe Studio im Planetarium nachfolgte, gab einen Abriss der wichtigsten Strömungen zeitgenössischer Musik unter Einbeziehung ihrer jeweiligen Wurzeln.

Im Jahr 1993 wurde in Zusammenarbeit mit dem SWR das Festival für Neue Vokalmusik METAPHER gegründet, das bis 1999 alle zwei Jahre die neuesten Entwicklungen in der Komposition für Stimmen vorstellte. 1994 entstand aus der Fusion mit musica nova die Konzertreihe noise, deren Schwerpunkte auf ethnischer und elektronischer Musik sowie auf der Vorstellung Stuttgarter Komponisten lag. Federführend bei der Programmierung war der Stuttgarter Komponist Ulrich Süße.

1997 wurde die Konzeption der TAGE FÜR NEUE MUSIK grundlegend geändert, gleichzeitig erhielt das Festival den neuen Namen ECLAT. Im Jahr 2000 wurden diese verschiedenen Projekte (KOORDINATEN, noise, METAPHER) eingestellt zugunsten einer Programmatik, die auf das Festival ECLAT und auf markante Projekte im Verlauf einer Saison fokussiert und die Entwicklung der Neuen Vocalsolisten fördert.

Seit Ende der 80er Jahre steht das Musiktheater mehr denn je im Mittelpunkt. Die Neuen Vocalsolisten und das Junge Philharmonische Orchester gastierten unter der Leitung von Manfred Schreier mit Philip Glass' "Einstein on the beach" an der Stuttgarter Staatsoper. 1989 begann mit der halbszenischen Aufführung von Monteverdis "L'Orfeo" eine langjährige Zusammenarbeit mit den Stuttgarter Hofkonzerten, die alljährlich im Sommer vielbeachtete Opernproduktionen mit Manfred Schreier und seinen Ensembles und mit dem Regisseur Christof Loy herausbrachten. Nach Monteverdis "Poppea" und Mozarts "Zauberflöte" und "Don Giovanni" schloß diese Reihe 1996 mit Philip Glass' "The Fall of the House of Usher".

Gustav Mahlers Sinfonien standen in den 90er Jahren im Mittelpunkt einer Konzertreihe zu Karfreitag in der Stuttgarter Stiftskirche, die Manfred Schreier noch als Bezirkskantor gegründet hatte. Diese Serie beschloß er 1998 mit Mahlers 7. Sinfonie.

Die beiden Ensembles von Musik der Jahrhunderte weiteten in diesen Jahren ihre Spezialistentätigkeit auf dem Gebiet der neuen Musik kontinuierlich aus und intensivierten ihre europaweite Karriere. Dabei haben sich die Neuen Vocalsolisten vor allem in der kammermusikalischen Besetzung von drei bis acht Sängern einen Ruf als Spitzenensemble erarbeitet. Die zahlreichen Aufträge, die Musik der Jahrhunderte an unterschiedlichste Komponisten in Europa erteilt hat, versprechen weiterhin eine arbeitsreiche und spannende Aktivität in den nächsten Jahren.

Im Herbst 2001 zog Manfred Schreier sich aus der künstlerischen Leitung von Musik der Jahrhunderte zurück, um sich seiner freien Dirigententätigkeit und seiner Hochschulprofessur zu widmen. Musik der Jahrhunderte intensivierte ihre Veranstaltertätigkeit in Stuttgart und gab gleichzeitig der Entwicklung der Neuen Vocalsolisten großen Raum.

Mit dem Umzug in das neue Kulturzentrum auf dem Pragsattel im April 2003 gemeinsam mit dem Theaterhaus Stuttgart ergeben sich für Musik der Jahrhunderte großzügige Perspektiven. Einerseits findet die Institution an dieser Stelle nun die adäquaten Spielstätten für die höchst anspruchsvolle Aufführungspraxis Neuer Musik. Andererseits provoziert die Nähe zu anderen Kunstgenres Synergien und auch Reibungen, die unterschiedliche kulturelle Bedürfnisse ansprechen und den innovativen Anspruch Stuttgarter Kulturpolitik unterstreichen.